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Andere Impressionen vom Großglockner

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  „Lichthöhe“, ein Film von Thomas Hörl und Peter Kozek mit Victor Jaschke Susanne Neuburger Die Moderne könnte uns gelehrt haben, dass neu konstruiert, wenn nicht rekonstruiert werden muss, was simple Wahrnehmung oder Sichtbarkeit uns nicht nahebringt. Hierfür haben die Avantgarden viele Wege zwischen Bild und Sprache eröffnet, sogar für die vernachlässigte naturalistische Landschaft, die als zerklüftete Textlandschaft, als Abstraktion oder Performance neu interpretiert werden kann. Im 2020/2021 gemeinsam mit Victor Jaschke realisierten Film „Lichthöhe“ von Thomas Hörl und Peter Kozek, wird durch Leucht- und Klangbilder eine quasi poetische Erzählung am Berg geschaffen, die auf der Fiktion von Maske und Verkleidung gründet. „Lichthöhe“ ist im Rahmen des dreijährigen Salzburger Projektes „Serpentine. A Touch of Heaven and Hell“ entstanden, für das Kurator Michael Zinganel mehrere Künstler*innen einlud, sich mit dem Großglockner auseinander zu setzen und Projekte vor Ort zu realisieren.

„Ich sehe mich als Ermöglicher“

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  Thomas D. Trummer im Gespräch, 25.02.2022, Bregenz, anlässlich der Ausstellung von Otobong Nkanga   Hildegund Amanshauser   Hildegund Amanshauser: Ausgangspunkt für dieses Gespräch ist die Ausstellung von Otobong Nkanga, die bis 6. März 2022 im Kunsthaus Bregenz läuft. Aus diesem Anlass möchte ich dich zur globalen Ausrichtung des Kunsthauses Bregenz interviewen. Zuerst aber eine aktuelle Frage: Ihr habt als einziges größeres Ausstellungshaus weit und breit sehr rasch auf die geänderte Situation des Kunstbetriebs, der Kunstinstitutionen und Kunstschaffenden in der Pandemie reagiert. Bereits am 5. Juni 2020, also unmittelbar nach dem ersten Lockdown, habt Ihr die Ausstellung „Unvergessliche Zeit“ u.a. mit William Kentridge, Rabih Mroué und Markus Schinwald eröffnet. Und du hast das Buch „Bilder in der Pandemie“ geschrieben, das die Kunstgeschichte aus dem Blickwinkel der Pandemie neu erzählt. Wie kam es dazu?   Thomas D. Trummer: Zuerst möchte ich mich

Gordon Matta-Clark im Museum der Moderne Salzburg

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13. November 2021 bis 6. März 2022  Hildegund Amanshauser Eine fassettenreiche Befragung des Oeuvres von Gordon Matta-Clark ist derzeit im Museum der Moderne Salzburg zu sehen. Das Canadian Centre for Architecture in Montreal (CCA) und die Generali Foundation präsentieren ihre Sammlungen in „Out of the Box: Gordon Matta-Clark“ in einer vierteiligen Ausstellung. Bald nach dem Studium der Architektur an der Cornell University, Ithaca, New York zog der Sohn der surrealistischen Kunstschaffenden Roberto Matta und Anna Louise Clark (später Alpert) 1969 nach Soho in Manhattan, New York, wo er, abgesehen von seiner ausgedehnten Reisetätigkeit, bis zu seinem frühen Tod 1978 lebte und arbeitete und u.a. eine Galerie und das Restaurant „Food“ als Community Projekt betrieb. Er war Teil einer Kunstszene, die nicht nur bildende Künstler*innen, sondern auch Tänzer*innen wie Trisha Brown oder Musiker*innen wie Laurie Anderson umfasste, deren Arbeiten sich immer wieder mit seinen überschnitten, so zum

Der „Dwindler“ und sein Team

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Nairy Baghramian in der Wiener Secession 2021/22 Susanne Neuburger Verfolgt man Nairy Baghramians Ausstellungstätigkeit der letzten Jahre, hat der „Dwindler“ darin einen wichtigen Stellenwert. Die offenen und hohlen zylindrischen Konstruktionen aus Glas, Metall und fallweise anderen Materialien, die Formlosigkeit und Fragilität einem strengen, bisweilen sequenzierten Umriss entgegensetzen und an Wand und Boden verankert sind, kommen dabei sowohl im Innen- wie auch im Außenraum vor: Bei Marian Goodman 2017, in der Biennale von Venedig 2019 und nun in der Wiener Secession (Kuratorin: Jeanette Pacher), wo sie neben den beiden titelgebenden Objekten „Breath Holding Spell“, neben „Deep Furrow“ und der Fotoarbeit „The Pincher“ die größte Werkgruppe ausmachen.  Essenzielle Kriterien des „Dwindlers“ sind seine Rekontextualisierbarkeit und seine Reproduzierbarkeit, für die die Frage nach einem etwaigen Original von vorherein obsolet ist: Wie sollte man ein solches denn auch erkennen, wenn Ähnli

Ein scharlachroter Mantel

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John Singer Sargents Porträt von Samuel Jean Pozzi  Susanne Neuburger  Welches Lob auch immer man Julian Barnes neuestem Buch „The Man in the Red Coat“ („Der Mann im roten Rock“) beimisst, sein Blick auf das titelgebende Gemälde bleibt unbefriedigend. Es handelt sich dabei um John Singer Sargents 1881 entstandenes Porträt von Samuel Jean Pozzi, dem legendären Pariser Gynäkologen und Chirurgen, das Barnes ebenso als Teaser wie als Referenzpunkt dient, wenn kulturelle, medizinische und andere Verbindungen und Netzwerke an einer Vielzahl von Persönlichkeiten dargestellt werden. Man könnte den Essay auch als Kulturgeschichte der Belle Époque unter dem Gesichtspunkt der französisch-englischen Beziehungen lesen. Pozzi mit all seinen sozialen und beruflichen Ambitionen, seinen Liebschaften und Turbulenzen erfährt darin eine facettenreiche Verknüpfung, das Bild hingegen ist kaum mehr denn optisch präsent. Es handle, so Barnes, von einem Mantel. Allerdings ist dieser Teil eines gemalten Bildes.